Der tägliche Umgang mit Tod und Trauer

Leipzig Hainstraße 15, in der Innenstadt: Große Schaufenster, Birkenstämme, helles Licht und helle Böden, Bücher und Kerzen stehen im Schaufenster. Hinter der Theke schläft ein Hund. Sie werden nicht sofort erkennen, was für ein Geschäft das ist. „Where Farewell Lives“ – der Schriftzug ist auf Neonröhren über einer Sitzgruppe mit zwei Sesseln vor einer dunkelblau gestrichenen Wand angebracht. Das Bestattungsunternehmen Maimoria hat im April 2022 seine sechste „Bestattungsboutique“ in der Innenstadt eröffnet. Früher residierte in den Räumen der Mueili-Händler Maimousli – jetzt Mimoria.

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„Das Lustigste ist, wenn Teenager hier reinkommen und fragen, was das für ein Laden ist. Sie denken, wir verkaufen Bubble Tea“, erinnert sich Paulina Vogt. Sie ist 30 Jahre alt, gelernte Bestatterin und betreibt eine „Boutique“ in Leipzig. Stephan Kahle wurde als Quereinsteiger Partner von Paulina Vogt. “Vielleicht liegt es am Aussehen”, sagte der 29-Jährige, “hier kommen viele junge Leute rein.” Es ist besonders gut, mit ihnen zu sprechen. “Du bist irgendwie ahnungsloser.”

Maimoria eröffnet seine sechste Boutique in Leipzig.

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Bestatter mitten in der Stadt – das Konzept hinter dem Speicher

Gründer Björn Wolff (42) analysiert die deutsche Trauerkultur: „In Deutschland sind Berührungspunkte mit dem Tod sehr selten. Der Tod ist hier eines der größten Tabus.“ Grund dafür sei die Verbesserung der Medizin: „Die Menschen altern und sterben häufiger zu Hause als in Pflegeheimen und Krankenhäusern.“ Doch wenn Fragen gestellt werden, wächst das Interesse bei Arbeitgebern oft: „Die Leute sind sehr empfänglich für Informationen rund ums Sterben“, sagt Wolff.

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Das Unternehmen mit Sitz in Berlin will den Titel in die Gesellschaft tragen. Ihr Konzept dazu: „Mit unseren sechs Bestattungsgeschäften leben wir immer in den Innenstädten.“ Das war zunächst schwierig: „Anfangs waren sich die Ladenbesitzer nicht sicher, ob ein Bestatter in die Stadt kommt. Stattdessen sollten wir uns am Stadtrand oder auf einem Friedhof niederlassen.

Plötzlicher oder unvermeidlicher Tod? Beerdigung online planen

„Mymoria entstand 2015, als wir den Tod eines Freundes erlebten“, sagt Wolff. “Wir haben festgestellt, dass es keine Klarheit darüber gab, wie es funktionieren und was es kosten würde.” “In unserem Fall war das nicht einfach und wir wollten den Prozess digitalisieren, deshalb haben wir die Website gebaut.”

Kunden können im Internet zwischen Risiko und drohendem Tod oder Zugang zur Vorsorge wählen. Anschließend können Sie den Verbleib des Verstorbenen eingeben und zwischen verschiedenen Bestattungsarten wählen. Wenn Interessenten ihre Telefonnummer und E-Mail-Adresse angeben, erhalten sie ein Angebot inklusive Kosten und werden in Kürze von einem Servicemitarbeiter kontaktiert. Auf Wunsch ist ein privates Treffen in einer der „Boutiquen“ oder Filialen möglich. Mittlerweile gibt es 27 Standorte.

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In Leipzig sprechen Paulina Vogt oder Stefan Kahle mit ihren Angehörigen. Sie haben zwei Arbeiter, die ein Auto fahren, um die Verstorbenen zum Friedhof oder Krematorium zu transportieren. „Wenn wir nicht selbst zur Beerdigung gehen können, kümmern sich die beiden Kuriere mit Hilfe der von uns gemachten Angaben darum“, erläutert Vogt das Prozedere.

“Wir haben eine sehr traurige Trauerkultur.”

Vogt berichtete über die Zustände im Laden. „Die Menschen stehen oft unter Stress. Hier kennen sie ihre eigene Sterblichkeit.“ Da der Tod immer persönlicher wird, fürchten ihn vielleicht viele: „Sehr wenige kennen und fürchten das Angesicht des Todes.“ Vogt sucht also einen anderen Ansatz: eine tragische Trauerkultur. Es geht nur ums Verstecken. Es ist an der Zeit, den Tod zum Leben zu erwecken.“ Sie hat konkrete Vorstellungen, wie Trauernde es anwenden können. „Es geht darum, über die eigenen persönlichen Rituale nachzudenken. Vielleicht trug Opa schon immer orangefarbene Fingernägel, alle Verwandten können sich den kleinen Finger orange anmalen. So etwas macht Abschiede lebendiger.“

Im Zentrum von Leipzig gelegen, bietet Memoria online planbare Beerdigungen an und basiert auf modernen Möbeln. Wie führt ein junger Bestattungsunternehmer eine klassische Trauerbegleitung durch?

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Bei Tim Kroger liegt alles in einer Hand.

Lindenthaler Straße in Gohlis. Autos fahren vorbei, eine Eisenbahnbrücke überquert die Straße, und auf der einen Seite der Straße leuchtet eine Tankstellenanzeige auf. Gegenüber ist die Ladenfront von Tim Kroger. „Trauerbegleitung Kroger“ steht höflich an der Tür. Im Schaufenster hängt ein Schild mit der Frage: Was packst du für deine letzte Reise in deinen Koffer? Kroger trägt Jeans und einen Pullover. Er ist 29 Jahre alt und führt das Unternehmen seit dem Tod seines Vaters im vergangenen Jahr alleine.

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„Es geht darum, dass die Angehörigen wirklich Abschied nehmen können“: Tim Kroger (29) leitet das Bestattungsinstitut Kroger in zweiter Generation.

In einem kleinen Laden steht ein Tisch mit vier Stühlen und einem Sofa. Über ihm hing ein Bild einer großen Landschaft eines herbstlichen Waldes. Es gibt einige Besen in der Nähe der Couch. „Ich war elf, als meine Mutter starb“, erklärt Tim Kroger, wie er und sein Vater nach ihrem persönlichen Tod Unternehmer wurden. „Mein Vater ging damals zum Bestattungsunternehmen und zahlte 7.000 Euro – für einen schönen Sarg und eine besondere Beerdigung”, erinnert er sich. „Wenn man sich die Fotos heute ansieht, war der Sarg nicht viel besser als eine Holzkiste.”

Nur ein Detail ist mir in Erinnerung geblieben: “Mama war eine starke Raucherin, also haben wir ihm eine Zigarette in den Sarg gelegt.” Sein Vater, überzeugt davon, dass es besser werden würde, machte sich als Bestatter selbstständig. Dafür kündigte er seinen Job als Informatiker. Tim Kroger folgte und absolvierte nach der Schule ein dreijähriges Praktikum.

Video: Wie ist es Bestatter zu sein?

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Zwangsfriedhöfe abschaffen?

Bei Kroger stehen vor allem Angehörige im Fokus. “Es geht darum, sich von ihnen verabschieden zu können.” Denn derzeit reiche das nicht aus, findet der Unternehmer: „Menschen werden gleich nach dem Tod geholt, dann gibt es eine halbstündige Beerdigung und dann ist Schluss mit der Nummer. So darf Bestattungskultur nicht sein.“

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Kröger ist es wichtig, dass die Matrizen von Anfang bis Ende die gleiche Relation haben. Deshalb ist alles in einer Hand, nur hat er aus Kostengründen keine eigenen Ohren. “Die Angehörigen haben mich angerufen, ich fahre mit dem bestellten Auto, um den Verstorbenen abzuholen. Ich habe die Feier mit meiner Familie geplant, ich werde Reden halten und mich um alles kümmern.” Kroger möchte die Angehörigen ermutigen, bei einer Beerdigung alle Möglichkeiten auszuloten, die ihnen zur Verfügung stehen.

Tim Kroger stellte einige Toiletten im Laden aus.

Tim Kroger stellte einige Toiletten im Laden aus.

In Deutschland gibt es zum Beispiel eine Friedhofspflicht, aber Kroger weiß, wie man das umgeht: „In der Schweiz kann man einen Friedhof von einer Firma kaufen, dann gilt das Schweizer Friedhofsgesetz.“ Der Name „Oasis of Eternity“ sagt: „Nach dem schweizerischen Bestattungsgesetz ist eine Urne eine private Bestattungsurne. Ein Haus darf mitgenommen werden. Dies ist zeitlich nicht begrenzt. Der Bestattungsunternehmer übergibt es seinen Angehörigen, damit die Grabpflicht in Deutschland nicht vernachlässigt wird.“ Mit 432 € ist das relativ günstig.

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“Niemand geht ohne Grund ins Grab” – und die meisten von ihnen sind unwissend.

Für Tim Kröger ist es die Aufgabe des Bestatters, alles zu erklären. Denn: “Niemand geht ohne Grund ins Grab.” Und die meisten von ihnen wissen nichts oder nur sehr wenig darüber. So sind sie auch online beim “Kroger Grief Support Service” einsehbar.

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“Es gibt einen Platz im Hof, um Fotos oder Briefe zu geben. Ich gebe den Menschen die Möglichkeit, sich bei der Beerdigung zu tragen, und sie wollen das oft. Alles, was Sie selbst tun, hat mehr Bedeutung als das, was Sie ihm geben.” . Aber der Abschied selbst ist nicht das, was Sie geben sollten.

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Von Roberta Knoll

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