Klimaprotest muss nicht brav sein – aber strategisch klug

Möchten Sie etwas ändern? Die Aktivisten der „letzten Generation“ beantworteten diese Frage für sich mit Nein.

Ihre Protestaktionen ziehen seit Monaten den Unmut weiter Teile der Bevölkerung auf sich. Weil sie bei Wetter und Stau auf der Straße bleiben. Oder sie gießen Essen auf wertvolle Museumsgemälde hinter Glas, deren Sicherheit sie aber nicht garantieren können.

Es schafft Aufmerksamkeit, keine Frage. Doch nachdem zuletzt ein Rettungsfahrzeug offenbar wegen eines von der Gruppe verursachten Staus verspätet am Unfallort eintraf, müssen Aktivisten erkennen: So kann es nicht weitergehen.

Natürlich könnte im Berliner Fall darüber diskutiert werden, ob die Fahrer, die die Rettungsgasse nicht gemacht haben, auch nicht haften. Aber das ändert nichts am Ergebnis. Klimaaktivisten nehmen Staus und Verzögerungen bei der Rettung in Kauf, gefährliche Folgen ihrer Proteste sind nicht auszuschließen.

Daher stellt sich nun eine große Frage: Wie könnte effektiver Klimaprotest eigentlich aussehen?

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Proteste müssen Aufmerksamkeit bekommen – und das ist schwierig, besonders in Zeiten überwältigender Krisen. Bei Protest geht es um Veränderung. Dies wird beispielsweise dadurch erreicht, dass Politikern durch Demonstrationen signalisiert wird, dass es für bestimmte Entscheidungen eine Mehrheit in der Gesellschaft gibt. Schließlich sind gesellschaftliche Mehrheiten auch politische Mehrheiten.

Die Dynamik der Massenproteste ist vorbei

Dass es beim Wetter funktionieren kann, hat 2019 gezeigt. Es war das Jahr der Massendemonstrationen von „Fridays for the Future“. Millionen Menschen gingen auf die Straße. In der deutschen Politik kam niemand um das Thema Klimaschutz herum.

Aber solch ein Druck von der Straße kann nicht über Jahre aufrechterhalten werden. Möglich, dass große Demonstrationen auch ohne Corona früher oder später kleiner geworden wären. Auf jeden Fall ist der Schwung vorbei. Stattdessen sitzen Freitagsaktivistinnen wie Louisa Neubauer in Talkshows und warnen Millionen Zuschauer, dass Deutschland nun seine erstarrte Rolle im Ukrainekrieg umkehrt.

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Eines ist klar: Eine Klimakrise steht bevor. Deutschland tut dafür schon viel, aber nicht genug, und die Welt tut nicht genug. Und wenn nicht schnell gehandelt wird, sind später noch radikalere Veränderungen erforderlich, um die Erde bewohnbar zu halten.

Die Verurteilung der „letzten Generation“ verfehlt ihren Zweck

Das beunruhigt die Aktivisten der “letzten Generation” und gibt ihnen ein Gefühl der Ohnmacht – durchaus verständlich. Es ist gut, dass sie mitmachen. Aber von ihrem Protest ist nichts zu spüren.

Aktionen diskreditieren die Klimabewegung. Sie stören, aber sie adressieren nicht das drängende Problem der Klimakrise und die Frage, was dagegen getan werden kann. Das gilt übrigens auch für die jetzt von der Gruppe dem Erdboden gleichgemachte Parteizentrale. Hier ist „Friday for the future“ konstruktiver durch konkrete Lösungsideen und Verbundenheit mit der Wissenschaft.

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Die Ereignisse dieser Woche werden die Klimabewegung wahrscheinlich noch einige Zeit beschäftigen. Ziviler Ungehorsam hat im Laufe der Geschichte viele Protestbewegungen erfolgreich gemacht. Aber Aktionen, die sichtbar sind, ohne dass Aktivisten sich selbst oder anderen schaden, wären besser, als es auf der Autobahn zu zeigen. Sie ziehen zwar Aufmerksamkeit auf sich, erzeugen aber keinen Widerstand bei denen, die eigentlich dazu ermutigt werden sollen, ihr Verhalten zu ändern. Aktionen, bei denen Aktivisten wie gute Menschen aussehen. und die eine Botschaft in sich transportieren.

Denn was hat der Kartoffelbrei auf dem Gemälde mit der Klimakrise zu tun? Was nützt es dem Klima, wenn Aktivisten Staus und Abgase erzeugen? Ein Protest muss nicht gut sein, aber er muss strategisch klug sein. Zumindest wenn ihm sein Ziel wichtig ist.

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