Querschnittlähmung: Neue Nerven heben Lähmungen auf

Unerwartete Nervengruppe lässt Querschnittsgelähmten nach Elektrotherapie wieder gehen. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die an neun gelähmten Patienten durchgeführt wurde, die mit epiduraler elektrischer Stimulation des Rückenmarks (EES) und ähnlich behandelten Mäusen behandelt wurden. Wie ein Team um Grégoire Courtine vom Universitätsspital Lausanne in der Schweiz berichtet, ist eine spezielle Gruppe von sogenannten Interneuronen entscheidend für den Erfolg von EES. Wird diese Zellpopulation vor der Therapie zerstört, versagt die EES, schreibt die Arbeitsgruppe in ihrer »Nature«-Publikation. Bemerkenswert ist, dass die beteiligten Interneurone nicht an den Bewegungen gesunder Menschen beteiligt sind – sie werden offenbar missbraucht. Experten erwarten, dass die Erkenntnisse dazu beitragen werden, die epidurale Elektrostimulation weiter zu verbessern.

Auch Lesen :  RTX 4080 kaufen - 20.11.: Amazon zum Black Friday mit tollen Angeboten? Mitnichten! (Ticker)

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass durch schwere Rückenmarksverletzungen verursachte Lähmungen teilweise korrigiert werden können, indem das Rückenmark unterhalb der Verletzung elektrisch stimuliert wird. Beim EES wird ein elektrischer Stimulator implantiert, um die Spinalwurzeln zu stimulieren – die Drähte, die sensorische Signale an das Rückenmark weiterleiten. Gleichzeitig werden die Gelähmten auf einer Trage aufgehängt, damit sich ihre Beine bewegen können. In einer Schweizer Studie absolvierten Patienten ein fünfmonatiges Training, danach konnten sie mit einer Gehhilfe wieder selbstständig gehen – vier davon sogar ohne Elektrostimulation. Bisher war jedoch völlig unklar, wie diese Verbesserung im Detail funktioniert.

Auch Lesen :  Langzeitfolgen von Gehirnerschütterungen - Leitliniensymposion unter neuer Führung

Um herauszufinden, welche Neuronen an der Wiederherstellung der Beinfunktion beteiligt sind, erstellte das Team zunächst eine detaillierte Karte der Neuronen im unteren Rückenmark der Maus. Das Team verwendete dann einen maschinellen Lernalgorithmus, um zu bestimmen, welche Neuronen während des EES eine erhöhte Genaktivität zeigen. Dabei traf er auf eine Gruppe von Interneuronen. Diese Zellen sind normalerweise Teil neuronaler Schaltkreise, die Signale verarbeiten, anstatt Reize zu übertragen. Das EES hat ihnen aber offenbar eine neue Funktion gegeben und nun die Neuronen in den Muskeln mit Signalen aus dem Gehirn verbunden, sodass die Gliedmaßen wieder bewusst gesteuert werden können. Derzeit ist die Therapie jedoch nur experimentell. In der klinischen Praxis wird die epidurale Elektrostimulation derzeit zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt.

Auch Lesen :  Illegaler Handel gefährdet Seegurken vor Indien | Freie Presse

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button