Tobias Kratzer in Wien: Ein Eigenbrödler für Hamburgs Oper

Kultur Tobias kratzt

Die Einsamen der Hamburger Oper

Manuel Brügge

Tobias Kratzer übernimmt 2025 die Oper Hamburg Tobias Kratzer übernimmt 2025 die Oper Hamburg

Tobias Kratzer übernimmt 2025 die Oper Hamburg

Quelle: Fotoverein

Regisseur Tobias Kratzer gilt als Spezialist für sperrige Koffer. Jetzt dirigiert er Rossini in Wien. Und er wird Intendant der Oper in Hamburg. Eine weise Entscheidung? Was seine Regie „La gazza ladra“ für die Zukunft verspricht.

KLeinentrommel, große Trommel. Ein ausgelassener doppelmartialischer Rhythmus leitet die Umkehrung von Rossinis Oper „La gazza ladra“ ein, die nicht vollständig gesungen wird, und lädt sogleich zum Steppen und Tanzen ein. Hier in der Halle E des Wiener Museumsquartiers könnte dies ein weiterer Anfang sein. Regisseur Tobias kratzt sich am Kopf und versucht angestrengt, ein neues Ufer zu finden. Auf der temporären Bühne des Theaters an der Wien beschäftigt er sich mit Rossinis Oper semiseria, die eigentlich die einfachste, aber gerade deswegen sehr schwierig ist. Es ist seine erste Produktion in der Stadt.

Im Unternehmen sorgte der 42-Jährige erstmals 2008 für Aufsehen, als er sich – noch vor seinem Abschluss an der Everding-Akademie in München – unter zwei Identitäten und mit zwei Konzepten erfolgreich beim führenden RingAward-Wettbewerb in Graz bewarb. 2019 organisierte er mit dem multimedialen „Tannhäuser“ einen der wenigen, weniger verstörenden Erfolge der jüngeren Geschichte für die Bayreuther Festspiele. Im Herbst 2025 wird er neuer Intendant der Hamburgischen Staatsoper. Das erfuhr WELT aus verschiedenen Quellen.

Hamburgs aktuelles, unangefochtenes Duo, Art Director George Delnon und Music Director Kent Nagano, wird seine Verträge nicht verlängern. Obwohl diese Kennzahl erst im Dezember offiziell bekannt gegeben wird, ist der Deal abgeschlossen und Kratzer ist bereits dabei, die anderswo geplante Produktion abzusagen.

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Und doch ist die Situation überraschend. Tobias Kratzer ist seit über zehn Jahren im Profigeschäft und sehr gefragt. Er beschäftigt sich mit einer Vorliebe für schwierige Stücke, viele, auch mit großen Chören. Nach der Meyerbeer-Serie scheint ihm nun der ernsthafte Rossini nahe zu sein. Außerdem wird er eine Projektion von „Ring“ an der Bayerischen Staatsoper aufführen.

Aber imaginäre Kratzer, der Experte Tobias, der immer mit dem gleichen Team antritt, gilt auch als völlig unhöflicher Einzelgänger, stark, verwegen, interessiert an der eigenen Legitimität. Warum interessiert er sich schon für die Direktorenstelle, wo man sie einbeziehen muss? Hat er als Regisseur viel gesagt? Dazu noch als Leiter eines großen Repertoirehauses, das er noch nie für sich selbst gearbeitet hat und das eine tägliche Präsenz ohne Fremdarbeit erfordert?

Das Haus, in dem sich der hanseatische Bürgerstolz seit Jahren nach dem leuchtenden Stern sehnt, ist längst unbezahlbar. Was also macht der bodenständige Aasfresser, der bisher weitgehend an sich denken musste, wie soll er das so langweilig gewordene große Haus begeistern? Sind Art Directors dafür heute wirklich noch die richtige Lösung?

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Mit solchem ​​Eifer zeigt sich sein kreativ verbrannter Kollege Stefan Herheim (bereits 52) in Wien, der das wegen mehrjähriger Renovierung herausgenommene Theater an der Wien übernommen hat. Dies ist ein Stagione-Haus mit nur acht Aufführungen zu je fünf Aufführungen auf der Hauptbühne. Eine davon ist Gian Carlo Menottis 50-minütige Kinder-Weihnachtsoper „Amahl und die nächtlichen Besucher“, in der Herheim – nach einer sehr guten, uninspirierten, farblich schwebenden Darbietung mit Janaceks Version „Das schlaue Füchslein“ zu Beginn – als das zweite und letzte Guide-Werk der Saison wird noch präsentiert.

Scratches hingegen hat für sein Wien-Debüt auch jede Menge Kreide geschluckt. „Die diebische Elster“ – ein auf einem silbernen Löffel sitzender Vogel bringt ein zu Unrecht beschuldigtes Dienstmädchen, das ebenfalls mit einem bösen Bürgermeister verlobt ist, in Gefahr, auf dem Bauernhof zu sterben – ist ein Melodram, das ursprünglich dazu gedacht war, die Zuschauer in Tränen auszubrechen das Theater. gequälte Unschuld. Der kreativ arrangierte Rossini liefert viel Drama mit wenig Action, und das in drei Stunden.

Diese werden in einem trashigen Action-Setting nacherzählt, das recht geradlinig, aber gutmütig zwischen Küche, Werkstatt, Garage, Heuboden und Trockenraum pendelt. Die Regie steigert die kafkaeske Manifestation derjenigen, die für die unbewegliche, unbekannte Autorität verantwortlich sind, und – ein kleiner Insider-Witz – die zuerst erschossene und dann wieder flugfähige Elster, deren Schmähhaltung wir im Video durch verfolgen können der Mund. Drohne, landet im Kunsthistorischen Museum vor der goldglänzenden Saliera Cellinis, die vor einigen Jahren Opfer eines exzentrischen Diebes wurde.

Schlechter Rossini

Aber musikalisch ist es fast pure Freude. Nur die starke Stimme von Nino Machaidze, während Ninetta sehr weh tut. Und Nahuel Di Prierro malt als finsterer Podestà die Stimme mit einer sehr dunklen Bassfarbe. Aber ansonsten, einschließlich Arnold Schönbergs wunderbarem Chor, großartige Führung des Ensembles. Sichtbar wird (selbst in hässlichen Trainingsshorts) der flexible und hochfliegende Tenor von Maxim Mironov, der wie sein Geliebter Gianetto nichts zu danken hat, um zu singen. Antonio Fogliani, auf der Bühne des Wiener ORF Radio-Symphonieorchesters, fasst diesen traurigen Militärmarsch zusammen, der für viele Berufe überhaupt nicht lustig ist.

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