Top-Ökonom fordert: “Deutsche sollten 100 Stunden mehr im Jahr arbeiten”

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Top-Ökonom fordert: “Die Deutschen sollten 100 Stunden mehr im Jahr arbeiten.”

Tun wir zu wenig?

Tun wir zu wenig?

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Die SPD will eine 25-Stunden-Woche für alle. Senior Economist Michael Hutter fordert uns jedoch auf, mehr und länger zu tun. Andernfalls könne es „dramatische Folgen“ für die Sozialversicherung geben.

Sollten Deutsche generell mehr arbeiten? Das fragte Michael Hutter, Leiter des arbeitgebernahen Deutschen Instituts für Ökonomik, in einem Interview mit der „Wirtschaftsche“. “Wir müssen mehr tun”, sagte Hutter. Ansonsten sieht er ernsthafte Probleme für die sozialen Sicherungssysteme.

Das demografische Wachstum wirkt sich auf die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung aus, sagt der führende Volkswirt. “Leider wurden die dramatischen Auswirkungen der Demographie auf die sozialen Sicherungssysteme von der Bundesregierung weitgehend ignoriert.” Hutter fordert von der Politik eine “grundlegende Strukturreform des gesamten Sozialversicherungssystems”.

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Als Problem sieht Hüther die steigenden Sozialversicherungsbeiträge, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer im nächsten Jahr zahlen müssen. Mit immer höheren Steuersubventionen Lücken in den Sozialversicherungskassen füllen. In Deutschland ist die Beschäftigungsquote, also die Zahl der Beschäftigten, bereits sehr hoch. „Aber vom Arbeitsaufwand her gibt es noch Potenzial.“ Ein Teil der Lösung sei, härter und länger zu arbeiten.

Im Vergleich zu den Schweizern arbeiten die Deutschen zwei Stunden weniger pro Woche, erklärt Hutter auf die Frage, wie viel wir arbeiten sollten. „Wenn wir 100 Stunden mehr pro Jahr arbeiten, können wir die 4,2 Milliarden Stunden, die durch das Altern verloren gehen, bis 2030 ersetzen.“

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Bürgergeld und 25-Stunden-Woche

Hauters Vorschlag steht im Widerspruch zu einigen aktuellen politischen Initiativen. Die SPD hat auf ihrem Parteitag in der vergangenen Woche beschlossen, „mittelfristig“ für 25 Stunden bei vollem Gehaltsausgleich zu werben. Die Frage wurde von den Jusos aufgeworfen und gegen den Willen der SPD-Parteispitze entschieden. Allerdings steht die Umsetzung vorerst nicht auf der Agenda, in der Bundesregierung ist ohnehin nicht viel los.

Realistisch ist hingegen, dass die Regierung plant, das Hartz-IV-System zum 1. Januar durch ein Bürgergeld zu ersetzen. Am Montag stimmt der Bundesrat ab, wo die Opposition den Bundestagsbeschluss noch blockieren kann. Auch aus dem von Hüther geführten IW gibt es kritische Stimmen zu möglichen negativen Auswirkungen auf die Einkommen der Bürger. IW-Arbeitsmarktökonom Holger Schaefer sagte gegenüber zeit.de, dass sich „mittlerweile mehr Menschen mit Bürgergeld zufrieden geben als Hartz-IV-Empfänger“. In der Frankfurter Rundschau bekräftigte Schaefer seine Forderung, die bestehenden Strafoptionen beizubehalten, wenn eine Person ein Stellenangebot ablehnt. Die Befürworter von Bürgergeld hingegen sehen in der Aufhebung einiger besonders harter Sanktionen einen großen Fortschritt des Konzepts.

Quellen:Wirtschaftswoche / zeit.de / fr.de / Institut der deutschen Wirtschaft

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