Warum Recycling nur langfristig eine Lösung ist

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Warum Recycling nur eine langfristige Lösung ist.

Zwei indische Arbeiter sortieren Altmetall.

Zwei indische Arbeiter sortieren Altmetall.

© IMAGO/NurPhoto

Eine Kreislaufwirtschaft muss die Versorgung der EU mit kritischen Rohstoffen sicherstellen. Auf der dieswöchigen Raw Materials Week in Brüssel war von allen Seiten klar: Recycling ist die Antwort – doch ganz so weit ist die Branche noch nicht.

Ende März will die Europäische Kommission ihre Vorschläge für das Kritische-Rohstoff-Gesetz vorlegen. Das Ziel: Aufbau und Stärkung europäischer Wertschöpfungsketten für strategisch wichtige Rohstoffe. Eine wichtige Säule des Gesetzespakets sollte die wirtschaftliche Entwicklung des Recyclings von Rohstoffen sein.

Auf einer von der Kommission und Industriepartnern während der Rohstoffwoche in Brüssel organisierten Konferenz betonte Binnenmarktkommissar Thierry Breton, dass die vorgeschlagenen Rechtsvorschriften spezifische Ziele für das Recycling kritischer Rohstoffe enthalten sollten. Als Beispiel nannte er in einem LinkedIn-Beitrag im September das Ziel, „bis 2030 mindestens 20 Prozent der Seltenen Erden in Abfallströmen zurückzugewinnen“.

Dieser Artikel ist für Capital.de im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Europe.Table Professional Brief verfügbar – Europe.Table hat ihn erstmals am 18. November 2022 veröffentlicht.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die auf der Veranstaltung von der KU Leuven im Auftrag des europäischen Verbands der Nichteisenmetallindustrie Eurometaux vorgestellt wurde. Im Jahr Bis 2050 könnte es 45 bis 65 Prozent des europäischen Bedarfs an unedlen Metallen, bis zu 77 Prozent der Batteriemetalle und sogar reichlich Land decken. „Europas sauberes Energiesystem wird auf nachhaltigen Metallen basieren, die in einer Kreislaufwirtschaft auf unbestimmte Zeit existieren können“, heißt es in dem Bericht.

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Systematische Subventionen für die Wiederverwendung

Aber wie wird es in naher Zukunft aussehen? Recycling muss eine wichtige Rolle bei der Sicherstellung der Rohstoffversorgung spielen, sagt Kerstin Jorna, CEO von DG Grow. „Kurz- und mittelfristig brauchen wir jedoch Primärrohstoffe“, weist die Studie der KU Leuven auf einen Zeitraum von 20 Jahren hin, in dem neue Primärrohstoffe entscheidend für die Energiewende in Europa sein werden. Das liegt vor allem an der explosionsartigen Nachfrage nach Lithium, Aluminium, seltenen Erden und anderen Rohstoffen. Allerdings gibt es noch einen weiteren Grund: Die Recyclingindustrie für schadhafte Mineralien und Metalle steckt in Europa noch in den Kinderschuhen.

„Die Recyclingquote für die meisten kritischen Rohstoffe ist sehr gering. Nahezu null, sagt Jens Gutzmer, Direktor Ressourcentechnologie am Helmholtz-Institut Freiburg. Mindestens die Hälfte dieser Mineralien und Metalle steht seit mehr als einem Jahrzehnt auf der Liste der kritischen Rohstoffe der EU. “Für diese kritischen Rohstoffe können wir derzeit keine Recycling-Wertschöpfungskette entwickeln, die einen signifikanten Einfluss auf die Adressierung der Primärrohstoffbasis hat.”

An fehlenden Ideen, Geld und Laborexperimenten liegt es laut dem Rohstoffforscher aber nicht. Stattdessen gibt es in der Endphase ein Problem: die Skalierung der Experimente auf den industriellen Betrieb. Das hat bisher weder in Deutschland noch sonstwo in Europa funktioniert; Guttmer erklärt, dass das Risiko bei lebensnotwendigen Investitionen für die Privatwirtschaft zu groß sei.

Lange Produktionszyklen verlangsamen das Recycling.

„Die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft für viele technologische Rohstoffe erfordert in erster Linie Investitionen, wie die erneuerbaren Energien gezeigt haben.“ Auch die Entwicklung der Solar- und Windenergiebranche war zunächst unwirtschaftlich. Durch Eingriffe in den Markt hat der Staat bestätigt, dass er sich entwickeln kann.

Solche strategischen Subventionen sind in China schon lange üblich. „Wir in Europa müssen das akzeptieren, wir müssen die Industrie an die erste Stelle setzen, um diese Hürde zu überwinden“, sagte Guttmer. Damit tragen sie maßgeblich zum Recycling von Hightech-Metallen bei.

Auch wenn Recyclingprozesse auf industrieller Ebene hinzukommen, stellt das verfügbare Material ein weiteres Problem dar: Die betroffenen Produkte haben meist eine lange Lebensdauer. Eine Batterie eines Elektrofahrzeugs kann beispielsweise erst nach etwa 15 Jahren recycelt werden.

In Ländern wie China, wo es bereits einen Markt für Lithium-Ionen-Zellen und große Produktionskapazitäten gab, wuchs auch die Recyclingindustrie rasant. Teilweise können Unternehmen bereits versuchen, Recyclingprozesse mit ihren Produktionsabfällen und Kleinteilen zu optimieren.

Sekundärrohstoffe in Europa einsparen

Es ist daher wichtig sicherzustellen, dass Sekundärrohstoffe nicht exportiert werden, sondern Teil der heimischen Rohstoffbasis bleiben, sagt Paolo Cerruti vom Batteriehersteller Northvolt. Er forderte ein Exportverbot für Wertstoffe. „Wir müssen unsere eigenen Waren innerhalb unserer Grenzen halten“, sagte er diese Woche in Brüssel.

Darüber hinaus sollten Regierungen und Industrie auf andere Strategien der Kreislaufwirtschaft drängen, anstatt sich zu sehr auf das Recycling zu konzentrieren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Nachhaltigkeitsberatung Systemiq, unterstützt von der European Climate Foundation. Dazu gehören beispielsweise die Einführung von Carsharing-Angeboten, die Reduzierung des Verbrauchs bestimmter Rohstoffe sowie die Langlebigkeit von Produkten und Materialien.

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Verschiedene NGOs fordern verbindliche Ziele zur Reduzierung des Verbrauchs von Primärrohstoffen. Beim Rohstoff- und Materialverbrauch müssten Grenzwerte für CO₂-Emissionen eingehalten werden, erklärte ein Aktivist gegenüber Europe. Die Kommission war offen für diese Idee – wollte solche Ziele jedoch nicht in ihrem derzeitigen Mandat formulieren.

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